Warum ich meine Apple Watch Ultra verkauft habe
Ich habe meine Apple Watch Ultra verkauft. Nicht, weil ich sie hässlich finde. Ganz im Gegenteil: Ich finde, sie sieht großartig aus. Ich hatte dazu das Titan-Gliederarmband, das mir ebenfalls extrem gut gefallen hat – und das mir übrigens gestohlen wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Auch grundsätzlich halte ich die Apple Watch Ultra für eine ziemlich coole Uhr.
Trotzdem habe ich mich von ihr getrennt.
Und das hat weniger mit dem Produkt an sich zu tun als mit meinen aktuellen Bedürfnissen und mit ein paar Ecken und Kanten, an denen ich mich persönlich im Alltag immer wieder gestoßen habe.
Eine Uhr, die für mich zu viel kann
Das klingt zunächst ein bisschen absurd, aber eines meiner größten Probleme mit der Apple Watch ist ausgerechnet das, was sie eigentlich so gut macht: Sie kann unglaublich viel. Sie zeigt Notifications an. Natürlich kann ich die abschalten. Sie zeigt meine nächsten Kalendertermine an. Mega nützlich. Ich kann Nachrichten lesen, E-Mails checken und in kurzen Wartezeiten mal eben schauen, was gerade passiert. Und genau das ist für mich das Problem. Im Vergleich zu einer analogen Uhr oder auch zu meiner Garmin Venu 4 hat mich die Apple Watch zunehmend nervös gemacht. Ich hatte irgendwann das Gefühl, von ihr durch den Tag gepresst zu werden.
Da ist noch ein Termin. Da ist eine Nachricht. Da könnte eine neue E-Mail sein. Und selbst wenn ich viele dieser Funktionen abschalten kann: Sie sind da. Ich weiß, dass ich sie benutzen kann. Und irgendwann habe ich eben doch angefangen, in diesen kleinen Leerlaufmomenten wieder auf die Uhr zu schauen.
Für mich ist das pures Gift.
Ich brauche nicht noch ein weiteres Gerät, das um meine Aufmerksamkeit konkurriert. Davon habe ich bereits genug.
Dann eben Fitness?
Also dachte ich: Na gut. Fitness. Ich möchte ohnehin mehr Sport machen. Bewegung tut mir gut und ich möchte fitter werden. Und dafür müsste eine Apple Watch Ultra doch eigentlich perfekt sein. Ich bewege mich auch halbwegs regelmäßig. Morgens laufe ich meistens ungefähr 3.000 bis 4.000 Schritte. Einmal pro Woche spiele ich Badminton. Außerdem fahre ich recht viel Fahrrad und mache dabei auch gerne strukturiertere Einheiten: Warm-up, kurze Sprints, wieder normale beziehungsweise schnellere Abschnitte, dann erneut Sprints und so weiter. Eigentlich also genau das Szenario, in dem eine Sportuhr sinnvoll sein sollte.
Nur habe ich irgendwann angefangen, den angezeigten Metriken nicht mehr richtig zu vertrauen. Nach ungefähr zwei Stunden Badminton zeigte mir die Apple Watch beispielsweise einen Kalorienverbrauch von mehr als 1.000 Kalorien an. Vielleicht stimmt das sogar. Ich bin weder Sportwissenschaftler noch der ultimative Kalorien-Hero. Ich kann also nicht seriös beurteilen, wie exakt dieser Wert war.
Aber er kam mir einfach enorm hoch vor. Und irgendwann war mein Vertrauen in diese Zahl weg.
Das ist weniger eine Aussage darüber, ob die Apple Watch tatsächlich falsch misst, sondern über mein Verhältnis zu diesen Daten: Wenn ich ständig darüber nachdenke, ob ich einer Metrik eigentlich glauben kann, verliert sie für mich ihren Nutzen.
Das war allerdings noch nicht einmal mein größtes Problem beim Sport. Mein eigentlicher Knackpunkt war die Akkulaufzeit. Wenn man regelmäßig Sport macht und seine Aktivitäten inklusive GPS aufzeichnen möchte, merkt man eben doch, dass auch die Apple Watch Ultra irgendwann geladen werden muss. Und zwar für meinen Geschmack ziemlich häufig. Gerade bei meinen Fahrradeinheiten wollte ich natürlich GPS benutzen und die Strecken aufzeichnen. Dazu kamen meine normalen Aktivitäten, Badminton und der übliche Alltag. Und plötzlich war selbst die Akkulaufzeit einer Ultra für mich nicht mehr besonders beeindruckend.
Ich musste wieder darüber nachdenken, wann ich die Uhr lade. Und das nervt mich. Testweise bin ich deshalb irgendwann zu einer Garmin Venu 4 gewechselt. Die schafft bei mir ohne viel Sport ungefähr zwei Wochen Akkulaufzeit. Wenn ich regelmäßig trainiere und GPS benutze, wird daraus vielleicht nur noch etwa eine Woche.
Aber ganz ehrlich:
Eine Woche ist besser als ein Tag.
Sehr viel besser sogar. Ich ziehe die Uhr an und denke anschließend einfach nicht mehr darüber nach. Genau das möchte ich von einer Uhr.
Das Gewicht habe ich ständig gespürt
Dazu kam das Gewicht der Apple Watch Ultra. Natürlich ist sie aus Titan. Trotzdem ist es eine große, schwere Uhr – und ich habe ihr Gewicht deutlich wahrgenommen, insbesondere beim Sport. Ich hatte einige schöne Armbänder dafür. Im Alltag bin ich aber meistens beim Trail Loop gelandet. Nicht unbedingt, weil ich es optisch am schönsten fand, sondern weil es für mich am bequemsten war. Es ist etwas breiter und liegt angenehm auf der Haut an. Dadurch verteilt sich das Gewicht der Ultra besser und ich konnte die massive Uhr zumindest ein Stück weit ausgleichen.
Aber das Grundproblem blieb. Die Uhr war für mich eben immer irgendwie da. Und obwohl das Gehäuse aus Titan besteht, habe ich es natürlich trotzdem geschafft, Macken hineinzuschlagen.
Ich bin allerdings auch genau der richtige Kandidat dafür.
Dann gibt es noch einen Punkt, der vollkommen irrational sein mag, aber trotzdem zu meiner Entscheidung gehört: Mich hat irgendwann genervt, dass gefühlt jeder eine Apple Watch trägt. Die Apple Watch ist allgegenwärtig geworden. Und damit ist für mich auch ein bisschen dieses Besondere verloren gegangen, das das Gerät früher hatte. Das allein wäre natürlich niemals ein Grund gewesen, eine Uhr zu verkaufen. Aber zusammen mit all den anderen Dingen habe ich gemerkt, dass mein Interesse an ihr einfach nachgelassen hatte.
Ich habe die Ultra irgendwann nicht mehr aus Gadget-Fandom getragen.
Und wenn dieser Faktor wegfällt, bleibt eine ziemlich simple Frage übrig:
Bereichert dieses Gerät meinen Alltag genug, um seinen Preis und seine Nachteile zu rechtfertigen?
Für mich lautete die Antwort irgendwann: Nein. Mehr noch: Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, dass sie meinen Alltag ein kleines bisschen schlechter macht. Weil sie eben immer da ist. Weil ich sie in kurzen Wartezeiten bedienen kann. Weil ich dann doch wieder Nachrichten, Termine, E-Mails oder irgendetwas anderes überprüfe.
Sie hat mich abgelenkt. Und sie hat mich nervös gemacht. Deshalb habe ich meine Apple Watch Ultra verkauft.
Nicht, weil sie ein schlechtes Produkt wäre. Im Gegenteil. Ich finde die Hardware großartig. Ich mag das Design. Sie ist hervorragend verarbeitet und kann eine absurde Menge an Dingen. Und eine Sache muss ich ihr wirklich hoch anrechnen: Ich hatte meine Ultra fast ein Jahr lang und habe sie in dieser Zeit durchaus intensiv benutzt – inklusive ziemlich viel Sport.
Als ich sie verkauft habe, lag der Batteriezustand immer noch bei 99 Prozent. Das ist schon ziemlich beeindruckend. Aber ein Produkt kann objektiv hervorragend sein und trotzdem nicht zu einem passen.
Die Apple Watch Ultra hat einfach nicht mehr in meinen aktuellen Alltag gepasst. Bei den Fitnessmetriken fehlte mir irgendwann das Vertrauen, die Akkulaufzeit war mir trotz Ultra zu kurz, das Gewicht störte mich und vor allem hatte ich ein weiteres Gerät am Handgelenk, das jederzeit meine Aufmerksamkeit bekommen konnte.
Und genau davon möchte ich inzwischen weniger.
Die Apple Watch Ultra ist eine verdammt coole Uhr.
Aber für mich ist sie es gerade nicht mehr.